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Es reicht!

Journalist/innen sind da, um die Öffentlichkeit zu informieren und für sie einer Regierung und der Politik auf die Finger zu schauen. Das machen sie auch – man sieht es nur leider nicht immer. Der Presse- und Informationsdienst der Regierung (SIP) hat nämlich eigenwillig entschieden, den Frage-Antwort-Teil nach ministeriellen Pressekonferenzen, die auf Video im Youtube-Kanal Gouvernement LU übertragen werden, nicht mehr integral der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Journalistenvereinigung findet diesen Eingriff in die Pressefreiheit eine Ungeheuerlichkeit und hat deshalb nachgehakt, warum dies geschieht, noch dazu ohne Rücksprache. Die Antwort der Direktion des Informationsdienstes der Regierung ist so nonchalant, dass sie uns (fast) sprachlos zurücklässt. Wir drucken sie deshalb hier im Wortlaut ab.

Den kompletten Livestream ass no enger Pressekonferenz ëmmer nach op Youtube ze gesinn, mat den Froen vun den Journalisten an och den Äntwerten drop. Mir loossen den ongeschniddenen Video um Youtube, mee en ass net “listed”, d.h. en ass just mam direkten Link ze fannen. Dat ass deen Link deen an der Note aux rédactions ze fannen ass, an deen dir um Extranet vum SIP kënnt erëmfannen wann dir deen net méi hätt. Dat ass also en Extra-Service deen mir de Journalisten bidden, déi Videoen bleiwen och vir Recherche- an Dokumentatiounszwecker disponibel.

Um Youtube fënnt de Bierger e Video ouni d’Froen well et oft schwéier ass, d’Froen iwwerhaapt ze héieren (wann de Journalist keen Mikro benotzt), an well mer keng Kamera hunn déi de Sall filmt. Bis elo huet och nach ni en Bierger sech bei eis doriwwer beschwéiert.

En zweeten Aspekt ass deen vun der Reaktivitéit: wat de Video méi laang ass, wat d’Postproduktioun (speziell d’Ënnertitelen) méi laang dauert. Speziell an der aktueller Situatioun ass et awer wichteg, d’Informatioun schnellstméiglech un d’Bierger ze kréien.

Jetzt soll ein fehlendes Mikro oder eine Kamera als Grund dafür herhalten, warum Fragen und Antworten an einen Minister oder an eine Ministerin nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind?  Und das Verlinken der integralen Videos ist „ein Extra-Service“ des mit Steuergeldern bezahlten SIP an die Medien?

Vielleicht weiß es der Regierungs-Pressedienst nicht, aber ministerielle Pressekonferenzen sind dafür da, dass eine Regierung die Allgemeinheit informiert und sich den kritischen Fragen der Medien stellt – und keine Rednertribüne für Minister/innen, die lediglich eine gute Figur machen wollen.

Da wir schon beim Thema Informationszugang sind: Auch die Pressemitteilungen des SIP zu den Ergebnissen des Regierungsrats, meist kaum mehr als anderthalb Seiten lang trotz mehrstündiger Sitzungen, haben Journalist/innen, hat der Presserat wiederholt reklamiert, weil sie unzureichend informieren.

Die ALJP sagt laut und deutlich: Uns reicht es!

Der Umgang dieser Koalition mit den Medien, die mehr als zurückhaltende Informationspolitik, die Vorliebe für Schön-Wetter-Veranstaltungen und der Missbrauch der Medien zur Selbstinszenierung sind für uns nicht hinnehmbar.

Darum erneuert die ALJP mit Nachdruck ihre langjährige Forderung, dass die Koalition, so wie sie es im Regierungsprogramm versprochen hat, endlich das Auskunftsrecht für Medienschaffende im Pressegesetz verankert. Wir fordern die Regierung auf, zurückzukehren zu inhaltlich-substanziellen Pressekonferenzen, von deren Verlauf nichts der Öffentlichkeit vorenthalten wird.

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